Lehrstellen

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1. Erwachsen werden und eigene Brötchen verdienen

Nach der Schule beginnt die Zukunft, jedenfalls der Teil der Zukunft, auf den man selbst maßgeblichen Einfluss hat. Darauf freut sich jeder Schüler, denn endlich wird der Alltag nicht mehr vom Unterricht bestimmt. Stattdessen kann man sich vielleicht eine eigene Wohnung leisten oder sogar ein Auto. Man wird eigenes Geld verdienen, Reisen und sich kaufen, was man möchte und sich leisten kann. 

Das selbst verdiente Geld macht frei von der Entscheidung der Eltern. Der erste Schritt auf diesem Weg ist die Wahl des zukünftigen Berufes. Wie diese Wahl im Einzelnen ausfällt, hängt stark von der eigenen Persönlichkeit ab. Was kann man, was traut man sich zu, was interessiert einen? Wer das von sich selbst weiß, kann die richtige Entscheidung für seine Zukunft treffen.

Lange wird man auf die Berufswahl vorbereitet. Wer trotzdem unsicher ist, kann und sollte sich helfen lassen. Es ist nicht ungewöhnlich bei einer solche wichtigen Entscheidung um Rat zu fragen, niemand sollte sich deshalb schämen. Es kann nicht jeder selbstbewusst in den Betrieb der Wahl marschieren und prompt mit einem Ausbildungsvertrag wieder heraus kommen. Auch wenn mancher davon träumt.

Beinahe jeder hat das Ideal einer schnellen Karriere, von viel Geld und wenig Anstrengung im Kopf. Die Realität sieht anderes aus, doch wer sich gut informiert hat und deshalb richtig entscheiden kann, wird ein nicht minder spannendes und erfülltes Leben genießen dürfen.

2. Welche Lehrstelle passt zu mir?

Ein Ausbildungsvertrag bindet über mehrere Jahre. Bevor man sich für eine Ausbildung entscheidet, sollte man sich selbst, das Unternehmen und die Art der Ausbildung wirklich gut kennenlernen. Welche persönlichen Voraussetzungen bringt man mit? Ist man körperlich in der Lage, den Beruf auch auszuführen? Wird er einem Spaß machen und dauerhaft motivieren? Viele Ausbildungsverträge werden in der Probezeit aufgelöst, weil der Azubi sich seine Aufgaben anders vorgestellt hatte.

Auch körperliche Probleme wie Allergien oder Krankheiten führen oft zum vorzeitigen Ausbildungsabbruch und zur Neuorientierung. Wer sich selbst nicht gut genug einschätzen kann, dem stehen diverse Beratungsangebote offen. Beispielsweise das Arbeitsamt bietet verschiedenen Tests und Fragebögen, um die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten einschätzen zu lernen.

Wenn die Arbeit keinen Spaß macht, fällt sie entsprechend schwerer. Gerade deshalb sollte die gewählte Lehrstelle den Interessen und Fähigkeiten entsprechen. Wem zu den eigenen Interessen gar nichts einfällt, der sollte darüber nachdenken, in welchen Schulfächern er besonders gut war. Vielleicht kommt man so den eigenen Wünschen auf den Grund.

Kennt man seinen Wunschberuf, sollte man ihn auf Herz und Nieren prüfen. Wie sieht der Alltag aus? Welche Kenntnisse muss ich haben? Wo werde ich arbeiten? Wie groß werden die körperlichen Belastungen sein? Je besser man informiert ist, desto leichter fällt die Lehrstellensuche.

3. Auf dem Weg zur Lehrstelle

Hat man sich umfassend informiert und weiß sehr genau, was man möchte oder nicht möchte, ist es Zeit, Kontakt zu möglichen Arbeitgebern aufzunehmen.

Ein guter Weg Arbeitgeber kennenzulernen, sind Praktika, die man auch in der Schulzeit schon absolvieren muss. Es lohnt sich also die Praktikumsbetriebe kritisch auszuwählen, denn sie können unter Umständen ein wichtiger Teil der eigenen Zukunft sein. Ein Unternehmen nimmt sehr gern Auszubildende an, die sich in einem Praktikum bereits bewiesen haben.

Steht man in Kontakt zu möglichen Ausbildungsbetrieben, gilt es weitere wichtige Fragen zu klären. Dazu gehören die Dauer (und mögliche Verkürzung) der Ausbildung, die Höhe der Vergütung oder eine mögliche Übernahme nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung. Es ist nicht unwichtig, bei der Berufswahl auch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu beachten. Wie sieht es in der Branche aus und wie wird sie sich in fünf und zehn Jahren entwickeln? Lohnt es sich soviel Arbeitskraft und Lebenszeit zu investieren?

Schon zeitig kann man viel für eine erfolgreiche Lehrstellensuche tun, wenn man auf seine Noten achtet. Wer früh weiß, in welchen Bereichen er Defizite hat, kann gezielt gegensteuern und seine Noten beispielsweise durch Nachhilfe verbessern. Befindet man sich bereits in der Bewerbungsphase, ist es dafür oft zu spät. Es ist sehr ärgerlich, wenn man aus Unwissenheit die Mindestanforderungen für den Traumberuf (Fremdsprachenkenntnisse, Notendurchschnitt etc.) nicht erfüllt.

3.1 Die Lehrstellensuche

Ein Ausbildungsbetrieb muss gewisse Kriterien erfüllen, um ausbilden zu dürfen. Er muss seinen Auszubildenden die notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse zur Ausübung des Berufes vermitteln können. Die Eignung der Betriebe wird von der zuständigen Industrie- oder Handelskammer überwacht. Sie ist deshalb ein guter Anlaufpunkt bei der Lehrstellensuche. 

Eine Lehrstelle zu finden kann auf ganz unterschiedlichen Wegen gelingen. Viele Unternehmen inserieren ihre Ausbildungsangebote beispielsweise in regionalen Zeitungen, wer also am Wohnort eine Lehrstelle finden möchte, dem wird intensives Zeitungsstudium sicher weiterhelfen.

Wer seine Suche auf ein größeres Gebiet ausweiten möchte, dem bietet das Internet gute Möglichkeiten. Verschiedene Informationsportale sammeln die Angebote und sogar das Arbeitsamt inseriert hier freie Stellen. Wer sich erstmal einen Überblick verschaffen will, benutzt dazu eine Suchmaschine, sie listet die verschiedene Such- und Informationsseiten auf.  So findet man schnell auch Tipps und Angebote zu den Themen Bewerbung, Beruf, Lehrstellen etc. Insbesondere für moderne Ausbildungsberufe ist das Internet das Informationsmedium der Wahl.

Gleichzeitig macht es die Informationsfülle, die das Internet bietet, schwerer, den Überblick zu behalten. Außerdem hat es keine Antworten für persönliche Fragen parat. Neben ausgiebiger Recherche sollte deshalb vor allem das persönliche Gespräch Teil der Lehrstellensuche sein.

Hat man einige Angebote ausfindig gemacht und rechnet sich Chancen aus, den Ausbildungsplatz auch tatsächlich zu bekommen, geht es in die Bewerbungsphase.

.3.2 Die Bewerbung

Auf welche Art und Weise man sich bewirbt, hängt stark von der Art der Ausbildung ab, die man beginnen möchte. Meist bewirbt man sich auf dem herkömmlichen Weg, indem man eine Bewerbungsmappe gestaltet und per Post zum Unternehmen schickt. Immer häufiger ist jedoch auch eine Bewerbung per E-Mail möglich. Sie sieht ein wenig anders aus, als die herkömmliche Bewerbung und muss beispielsweise deutlich kürzer gefasst werden. Dafür hat man auf diesem Weg andere Möglichkeiten, sich dem Unternehmen vorzustellen. Wer sich für einen Beruf im Bereich der Neuen Medien interessiert, kann so unkompliziert Qualifikationen unter Beweis stellen und Arbeitsergebnisse präsentieren.

Die schriftliche Bewerbung sollte übersichtlich, sauber und fehlerfrei sein. Gutes Briefpapier, eine schöne Mappe und die eigene Unterschrift sind wichtige Bestandteile um einen Personalchef zu überzeugen.. Ein guter und fehlerfreier Stil sind für E-Mail-Bewerbungen nicht minder wichtig. Man sollte niemals die lockere Internetsprache für eine Bewerbung verwenden.

Hat man die erste Hürde überwunden, folgt meist ein Vorstellungsgespräch. Auch wenn sich dieses Gespräch für Dich wie eine Prüfung anfühlt, es ist nur ein Gespräch, mit dessen Hilfe der Personalchef Dich kennenlernen möchte. Auch Du hast die Möglichkeit jetzt Deine Fragen zu stellen. Echtes Interesse an der Arbeit und dem Ausbildungsplatz wird im Bewerbungsgespräch sicher positiv auffallen. Bringt man dann auch noch die nötigen Fähigkeiten und Qualifikationen mit, hat man sehr gute Chancen auf den Ausbildungsplatz.

3.3 ... abgelehnt, was nun?

Häufig durchläuft man verschiedene Phasen im Bewerbungsverfahren. Vor einem Gespräch steht oft ein Assessment-Center, in dem die grundlegenden Fähigkeiten der Bewerber überprüft werden. Nur selten erhält man gleich eine Zu- oder Absage. Meist heißt es, noch einige Tage oder Wochen zu warten. Wer über Monate nichts mehr vom Betrieb hört, sollte sich trauen, telefonisch nachzufragen. Auch eine mündliche Zusage hat erst wirklichen Wert, wenn sie mit einem unterschriebenen Vertrag besiegelt wird.

Erhält man trotz bester Bemühungen keinen Vertrag, sollte man sich nicht entmutigen lassen, sondern die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Erhält man die Absage gleich auf die eingesendeten Bewerbungsunterlagen, so waren diese vielleicht nicht angemessen oder man war für die Ausbildung grundsätzlich nicht geeignet. Wer den Mut findet, nachzufragen, wird viel für zukünftige Bewerbungen lernen.

Ist man in der Bewerbungsphase weiter fortgeschritten, hat an einem Gespräch oder Assessment-Center teilgenommen, kann man sich sicher sein, dass die Bewerbungsstrategie nicht ganz falsch gewesen sein kann. Dann war ein anderer Bewerber vielleicht einfach ein bisschen besser als man selbst.

Auf jeden Fall sollte man sich immer gut überlegen, welchen Grund eine Absage gehabt haben könnte und im Zweifelsfall den Mut haben, nachzufragen. In schriftlichen Absagebriefen findet man meist keine aussagekräftige Begründung.

Wer sich über einen längeren Zeitraum ohne Erfolg bewirbt, sollte auch berufliche Alternativen und alternative Ausbildungswege in Betracht ziehen. Wer sich nicht nur auf einen Weg konzentriert, aber trotzdem hochwertige Bewerbungen schreibt, wird schneller erfolgreich sein.

4. Die Ausbildung

Du hast Deinen Vertrag unterschrieben? In diesem Vertrag werden die Grundlagen der Ausbildung festgehalten. Dazu gehört, um welche Ausbildung es sich handelt, wie lange sie dauert und was am Ende erreicht werden soll. Natürlich wird auch die Dauer der Probezeit und die Höhe des Gehaltes festgehalten, die Urlaubstage ebenso wie die Möglichkeit der Kündigung.

Mit der Unterschrift beginnt die Probezeit. Das ist die im Vertrag festgelegte Zeit, in der beide Unterzeichner mit kurzer Kündigungsfrist das Arbeitsverhältnis beenden können. Es ist die Zeit in der Ausbilder und Azubi überprüfen, ob das Arbeitsverhältnis den eigenen Vorstellungen entspricht.

Bist Du zufrieden mit Deiner Ausbildungsstelle? Dann zeige das Deinem Ausbilder. Sei pünktlich, ordentlich und gewissenhaft (Das solltest Du natürlich grundsätzlich sein.) Zeige, dass bereit bist zu lernen, traue Dich nachzufragen, sei bescheiden, aber offen. Lästere niemals über Kollegen oder den Chef.

Für viele ist es ungewohnt plötzlich acht Stunden am Tag zu arbeiten. Gib Dir die Zeit, Dich daran zu gewöhnen. Ausreichend Schlaf und Abwechslung durch Sport helfen dabei. Es dauert einige Zeit, bis man sich an den neuen Rhythmus gewöhnt hat.

Der Lohn für die Arbeit ist das Geld, das einem nun zur Verfügung steht. Vielleicht lebst Du nicht mehr Zuhause, leistest Dir ein eigenes Auto, dann haushalte vorsichtig. Den Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, erfordert Übung.

Über den Verlauf der gesamten Ausbildung wird ein Berichtsheft geführt. Es protokolliert die durchlaufenen Bereiche, erfüllten Aufgaben und geführten Lehrgespräche. Ein vollständiges Berichtsheft ist eine wichtige Grundlage, um zur Prüfung zugelassen zu werden.

5. Die Prüfungszeit

Spätestens zum Ende der Ausbildungszeit werden die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten theoretisch und praktisch abgefragt. Wer sehr gute Leistungen zeigte, kann seine Ausbildung verkürzen und die Prüfungen vorzeitig ablegen. Über einen derartigen Antrag, den Azubi und Ausbilder gemeinsam stellen müssen, entscheidet die zuständige Kammer.

Meist werden schon während der Ausbildung Klausuren geschrieben, um den Kenntnisstand unter Beweis zu stellen. In bestimmten Berufsbereichen ist auch eine Zwischenprüfung obligatorisch. Zur Abschlussprüfung zugelassen wird, wer die Ausbildung vollständig durchlaufen, ein ordentliches Berichtsheft geführt und (wenn so vorgesehen) an der Zwischenprüfung teilgenommen hat.

Es lohnt sich schon einige Wochen vor der Prüfungszeit mit den Vorbereitungen zu beginnen. Auch ein Plan zur Bewältigung des Lernstoffes ist hilfreich. Manche Azubis bilden Lerngruppen, denn gemeinsames Arbeiten und Abfragen ist eine guten Strategie gegen den inneren Schweinehund. Eine gute Gelegenheit um Prüfungssituationen schon einmal durchzuspielen.

Die Abschlussprüfungen bestehen in der Regel aus einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung, in Fächern, die vorher festgelegt wurden. Oft werden zum Ende der Ausbildung auch praktische Prüfungen durchgeführt. Besteht man die Abschlussprüfung nicht, so verlängert sich die Zeit der Ausbildung bis zur Wiederholungsprüfung, jedoch höchstens um ein Jahr. Hat man erfolgreich abgeschlossen, darf man mit Stolz die entsprechende Berufsbezeichnung tragen.

6. Informationsmöglichkeiten

Zur optimalen Vorbereitung des neuen Lebensabschnittes sollte man keine Informationsmöglichkeit ungenutzt lassen. Einen ersten und schon sehr umfassenden Einblick bietet, das Internet. Hier findet man Informationen über Ausbildungsplätze, Unternehmen, Ausbildungsarten, Tipps für die Bewerbung und Links zu Weiterbildungsmöglichkeiten. Kaum jemand verzichtet bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf die Recherche im Internet.

Eine unkomplizierte Art mit möglichen Ausbildungsbetrieben in Kontakt zu kommen, stellen darüber hinaus Messen dar. Viele Betriebe und Unternehmen nutzen solche Gelegenheiten, um über die Möglichkeiten einer Ausbildung zu informieren. Ein großer Vorteil liegt im möglichen persönlichen Gespräch. An diesem Tag kann man unverbindlich Fragen stellen und die Bewerbungsmappe persönlich abgeben. So manches Messegespräch hatte anschließend einen Ausbildungsvertrag zur Folge.

Die Industrie- und Handelskammern bieten einen umfassenden Service. Man kann sich bei der Lehrstellensuche helfen oder die Bewerbungsmappe überprüfen lassen. Industrie- und Handelskammern sind auch während der Ausbildung Ansprechpartner, wenn sich Probleme ergeben.

Um die Bewerbungsunterlagen in die richtige Form zu bringen und sich optimal auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten, kann man natürlich auch die Hilfe von bezahlten Trainern und Beratern in Anspruch nehmen.

Die Agentur für Arbeit hält im Berufsinformationszentrum (BIZ) umfassende Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsbildern bereit. Dort kann man mit professionellen Berufsberatern einen Termin vereinbaren. Außerdem veranstalten diese Zentren regelmäßig Berufsinformationstage.